20th Century Boy(s) – I wanna be your toy…

13. August 2011 • Anime & Manga, , ,

20th century boys naoki urasawa

Bereits vor längerem hatte ich die Manga-Serie 20th Century Boys erwähnt.

Die Serie ist, ebenfalls wie Monster, von dem Mangaka Naoki Urasawa.

Naoki Urasawa wurde 1960 in der Präfektur Tokio geboren und studierte Wirtschaftswissenschaften.
Nach dem Studium bewarb er sich beim Shogakukan-Verlag und gewann unerwartet den Nachwuchpreis.
Er veröffentlichte zunächst Kurzgeschichten. 1986 begann er dann seine erste Serie: „Pineapple Army“ lief zwei Jahre und direkt im Anschluss veröffentlichte er „Yamara!“, sein erster größerer Erfolg. In dem Manga geht es um eine sehr talentierte Judoka, die eigentlich nur ein normales Mädchen sein will. Auch sein darauf folgendes Werk „Master Keaton“ wurde ein großer Erfolg und gilt als einer der beliebtesten Seinen-Manga der 80er. In den folgenden Jahren führte er begonnene Serien fort, bis 1995.
Der in Deutschland spielende und von mir bereits vorgestellte Thriller „Monster“ wurde sein internationaler Durchbruch. Auch seine darauf folgende Serie „20th Century Boys“ war ähnlich erfolgreich. 2007 bis 2009 arbeitete Urasawa an einem Remake zum Klassiker Astro Boy namens „Pluto“.
Aktuell arbeitet er an „Billy Bat“, einer Geschichte um einen Comicautor der auf der Spur einer uralten Karikatur nach Japan reist.
Urasawa betreibt auch sehr aufwendige Recherchen, die bei den Schauplätzen seiner Geschichten auch notwendig sind. Monster spielte viel in Deutschland und der Tschechischen Republik, die Geschichte um Master Keaton führt durch die ganze Welt und in 20th Century Boys geht es quer durch Japan, mit kleinen Abstechern ins Ausland.

Wie fast alle Manga von Urasawa richtet sich auch dieser eigentlich eher an erwachsene Männer (also Seinen). Seine Themen sind also eher ernst, in Richtung Thriller. Dennoch ist der Manga auch für junge Leute, die spannende Geschichten mögen, empfehlenswert.
20th Century Boys lässt sich auch sehr gut dem Genre Mystery zuordnen, mit Elemten aus Drama, Endzeit-, und Psycho-Geschichten, mit einem Hauch Sci-Fi. Der Zeichenstil ist sehr detailliert und äußerst realistisch.
Die Serie erschien unter dem Namen „20 Seiki Shounen“ von 1999 bis 2006 im Big Comic Splash Magazin beim Shogakukan-Verlag und wurde in Deutschland ab 2002 bis 2009 bei Planet Manga veröffentlicht.  Die Serie umfasst 22 Bände, wird in diesen allerdings nicht komplett abgeschlossen. Dies ist erst in der zweibändigen Fortsetzung21st Century Boys“ der Fall. (Zwischen den beiden Serien nahm Urasawa sich eine Pause.)

20th century boys naoki urasawa

Neben dem Manga gibt es leider keinen Anime, dafür aber eine Live Action Umsetzung. Nun mögen die meisten denken: „Neee, LAM sind immer schlecht!“
Bei 20th Century Boys ist das ein wenig anderes ^^
Aus der Mangavorlage wurde eine Trilogie geschaffen, die ein Budget von etwa 6 Billionen Yen hatte und mehr als 300 Schauspieler beteiligte.
Der erste Film erschien 2008 in Japan, der zweite und dritte Film 2009.
Der erste Film umfasst Band 1-5, der zweite Band 6-15 und der dritte die restlichen Bände.
Die Filme sind seeehr nahe am Manga gehalten. Es ist also keine so freie neue Story wie bei Dragonball oder den Death Note Filmen. Und das ist der entscheidende Punkt bei den Live Action Filmen!
Die Charaktere sind unheimlich gut getroffen, Gestik und Mimik sind sehr nahe an den Originalen und teilweise sind auch die Dialoge eins zu eins übernommen. Natürlich ist die Story etwas gekürzt und gestaucht, da selbst ein Dreiteiler noch zu kurz ist ^^

Doch dazu gleich mehr. Erst möchte ich euch ein wenig mehr zum Setting und zur Story erzählen.

Die Geschichte spielt in der Realität, also in keiner alternativen Phantasie-Welt und spielt sich auch in einem uns teilweise bekannten Zeitrahmen ab. Der Zeitrahmen der Geschehnisse ist bei 20th Century Boy wirklich entscheidend. Die Vorkommnisse spielen sich zwischen 1969 und etwa 2017 ab. Dies ist eine seeehr lange Zeit in der seeeehr viel passiert.

20th century boys naoki urasawa

Doch beginnen wir mal mit den Grundlegenden Ereignissen:
Kenji und seine Freunde aus der Grundschule haben sich auf einer Wiese mit sehr hohen Gräsern eine „geheime Basis“ gebaut. Diese besteht zwar nur aus geflochtenem und verknotetem Gestrüpp, ist für die Truppe jedoch ein wahrer Schatz!
An heißen Tagen sitzen sie in der schattigen Grashöhle, lauschen dem Radio, lesen ein paar Shonen Sunday-Manga-Magazine, stöbern auch mal in dem ein oder anderen anzüglichen Heftchen und haben jede Menge Spaß.
Bald beginnen sie, sich Geschichten auszudenken. Von ihrer geheimen Basis aus, schmieden sie Pläne, wie sie eine böse Organisation in der Zukunft bekämpfen und letztendlich die Welt retten! Kenji und seine Freunde werden wahre Helden in der Zukunft! So stellen sie sich das zumindest alles vor.
Doch nicht nur ihre Rettung legen sie fest, sie denken sich auch die Szenarien der bösen Organisation aus. Diese führen biologische Attentate mit Bakterien in San Francisco und anderen großen Städten aus, bombardieren wichtige Einrichtungen und wollen die Menschheit mit Hilfe eines riesigen Killer-Roboters auslöschen! All diese Geschichten halten Kenji und seine Freunde im „Buch der Prophezeiungen“ fest, einer Ansammlung von Blättern mit Bleistiftkritzeleien. Ihre Truppe hat sogar ein eigenes Symbol, das ihre Freundschaft symbolisiert! Eine Hand mit einem Auge innen und außen herum.

Viele Jahre später, in den späten 90ern, hat Kenji den ehemaligen Spirituosen-Laden seiner Eltern zu einen Convenience Store umgebaut und arbeitet dort.
Seine Geschichten von früher hat er zum größten Teil vergessen, die meisten seiner damaligen Freunde hat er auch schon lange nicht mehr gesehen.
Sein Leben besteht nur noch aus Alltag und seine Träumen, ein Held oder später auch Rockstar zu werden, hat er an den Nagel gehängt. Der Laden läuft auch nicht so gut, einer seiner Kunden, ein Professor, der noch einige Rechnungen offen hatte, ist verschwunden! Und zu allem Überfluss muss er auch das Baby seiner Schwester hüten, die ebenfalls einfach verschwunden ist.

Dann ereilt Kenji die Nachricht, dass Donkey, einer seiner Freunde aus Kindheitstagen, Selbstmord begangen hat! Er erinnert sich an ein paar Geschichten mit Donkey und kann es nicht glauben. Er beschäftigt sich etwas mit dem Selbstmord von Donkey und auch mit dem mysteriösen Verschwinden des Professors und findet bei beiden ein Symbol, dass ihm sehr bekannt vor kommt. Nach und nach kommt die Erinnerung wieder und er weiß, dass es das Symbol der Freundschaft aus seiner Kindheit ist.

20th century boys naoki urasawa

Das Symbol führt ihn letztendlich zu einer Sekte um einen mysteriösen Mann, der als der „Freund“ (im japanischen „Tomodachi„) bekannt ist. Dieser trägt sein Gesicht stets verhüllt mit einem Tuch, worauf das Freundschaftssymbol zu sehen ist. Der Freund predigt seinen Anhängern aus einem Buch der Prophezeiungen und wie er die Welt an sich reißen will. Der Freund gewinnt immer mehr Anhänger, sein Einfluss wächst und wächst. Schnell wird Kenji klar, dass es sich bei den Prophezeiungen um die Kritzeleien aus der Grundschulzeit handelt!

Und da passieren auch schon die nächsten mysteriösen Dinge. Nach Donkeys Tod, wird in den Zeitungen und Nachrichten von Bakterien berichtet, bei denen das ganze Blut aus dem Körper tritt. Anschläge in San Francisco und anderen Städten werden bekannt, ein verrückter alter Penner konfrontiert ihn mit Visionen und einer Laserpistole. Seltsame Typen versuchen Kanna, das kleine Baby von Kenjis Schwester, zu entführen und der Laden seiner Eltern wird nieder gebrannt! Kenjis komplettes Leben wird ins Chaos gestürzt und ihm wird klar, dass er etwas unternehmen muss! Denn der Freund lässt seine Kindheitsphantasien wahr werden und benutzt das Symbol seiner Freunde für seine Zwecke! Und so trommelt Kenji seine alten Freunde von früher zusammen, um die Welt vor dem Freund zu retten, denn der 31. Dezember 2000 rückt näher! Dies war der Tag, der laut dem Buch der Prophezeiungen das Ende der Menschheit mit sich bringt, wenn Kenji und seine Freunde nichts unternehmen!

20th century boys naoki urasawa

Im Laufe der Geschichte wird der Freund immer mächtiger. Die große Frage ist nun: Wer ist der Freund? Und woher weiß er vom Buch der Prophezeiungen? Wieso tut er das alles? Und so weiter…
Die Story und die Ereignisse steigern sich ständig. Und wie ich bereits sagte, geht die Geschichte bis etwa 2017, damit dürfte klar sein, dass es nach dem Silvesterabend 2000 nicht einfach vorbei ist. Doch soviel reicht erst einmal zur Grundstory!

Nun ein paar Worte, wie ich zu dieser Serie kam. Monster wurde mir ja von jemandem empfohlen, der den Anime gut fand. Bei solche extrem guten Werken wie Monster schaue ich mir den Mangaka gerne etwas genauer an und so bin ich auf 20th Century Boys gestoßen. Bereits die mega-kurze Beschreibung von zwei Sätzen fand ich super spannend, sodass ich mir die Serie einfach zulegen musste! Die neueren Bände sind zum Glück noch recht gut zu bekommen. Die älteren Bände teilweise etwas schwerer bis fast unmöglich. Band neun beispielsweise steht bei Amazon für etwa 200 Euro drin, auf eBay wird er für 60-120 Euro versteigert. Band neun war auch der, der mit bis zum Schluss fehlte, letztendlich hab ich einfach die Zähne zusammen gebissen und ihn bei eBay ersteigert ;__; Ich bin aber nun super happy, dass diese Lücke in meinem Mangaregal gestopft ist ^^

20th century boys naoki urasawa

Wer selbst mal nach der Serie sucht, wird sicher auch auf das Lied „20th Century Boy“ von T. Rex aufmerksam oder kennt es sowieso schon. Der Name ist kein Zufall, der Mangaka hat sich dieses Lied bewusst als Titel ausgesucht. Der Titel von diesem Artikel ist eigentlich eine Zeile aus dem Lied, das auch im Manga selbst vorkommt.
Kenji knebelt beispielsweise in der Grundschule mal das Mädchen, das in den Pausen immer klassische Musik durch die Lautsprecher dudeln lässt, um die Schallplatte von T. Rex aufzulegen. Er ist zu der Zeit absolut im Rockfieber und hofft so etwa in seiner Schule bewirken zu können.
Die Aktion geht jedoch daneben, denn aller Schüler futtern normal vor sich hin und achten nicht auf die Musik. Kenji rockt trotzdem mit einem Besen als Gitarre ziemlich ab ^^ Eine sehr lustige Aktion!
Auch später kommt der Song immer wieder mal vor, denn Musik spielt insgesamt eine sehr wichtige Rolle für Kenji und somit auch für die Geschichte!
Hier ist ein sehr schickes Video mit dem Lied, in dem man auch einige Bilder aus dem Manga sieht.

Neben dem wichtigen Element Musik, wird der Manga noch von einem besonderen Merkmal geprägt, das ich bereits angesprochen habe: Die Zeit!
Man sieht Kenji als Erwachsener im alltäglichen Arbeitsleben, durchlebt Rückblicke in seine Kindheit und in seine Jugend, alles sehr spannend aufgebaut und ineinander verschachtelt. Nichts wird am Strang erzählt, ständig finden Zeitsprünge statt, die die Geschichte zwar etwas verwirrend, aber super spannend machen. Ein wichtiger Punkt hierbei ist noch, dass die Erinnerungen aus der Kindheit unheimlich viel Potenzial haben. Als 30 jähriger kann man sich ganz sicher nicht mehr an alles erinnern, was man in der 3. Klasse getan hat. Vor allem, wenn sich das Leben und das Umfeld ändern.
Das merke ich an mir selbst auch. Ich bin zum Beispiel in der dritten Klasse umgezogen, ziemlich weit sogar, das heißt: neue Schule und neue Leute. An die meisten aus der neuen Grundschule kann ich mich auch heute noch erinnern, an Namen und Aussehen, weil ich sie auch später noch sah etc. An meiner alten Grundschule… hm, da kann ich mich nur an vereinzelte Personen erinnern, nur an die, mit den ich am meisten zu tun hatte. Und an Erlebnisse kann ich mich auch nur an ein paar wirklich bewusst erinnern. Die Tatsache, dass man nur noch bestimmte Dinge aus seiner Kindheit wirklich weiß, hat man bei 20th Century Boys wirklich sehr gut ausgenutzt!
Die Zeit schreitet voran und die Truppe um Kenji erinnert sich an manche Dinge aus der gemeinsamen Kindheit gar nicht mehr oder nur teilweise. Manche Dinge wissen nur bestimmte Personen noch und manches fällt ihnen erst ein, wenn sie irgendwie daran erinnert werden.
Mit der Zeit wird in diesem Manga auch anders gespielt. So gibt es im Manga bei gewissen Ereignissen größere Zeitsprünge von mehreren Jahren. Oft sogar genau dann, wenn es äußerst spannend ist. Es ist zb. etwas schreckliches oder krasses passiert – Zeitsprung! Danach wird man in den neuen und veränderten Alltag von Charakteren zur neuen aktuellen Zeit eingeführt und bekommt erst nach und nach über Rückblicke und Erzählungen geschildert, was genau passiert ist, wie sich alles dadurch verändert hat und ehe man sich versieht passieren neue Dinge, auf die ein Zeitsprung folgt. Nebenher dann immer noch die Rückblicke aus der Kindheit und anderen Zeitebenen, ergibt sich bei dem Manga ein wahrer Zeitstrudel.

Nun möchte ich euch die wichtigsten Charaktere noch etwas genauer vorstellen.

20th century boys naoki urasawa

Kenji ist anfangs zunächst der Hauptcharakter. Man lernt ihn als Besitzer des Convenience-Store kennen, wie er auf das Kind seiner Schwester aufpasst, während er im Laden arbeitet. Als Kind träumte er davon die Welt zu retten und Rockstar zu werden. Auch als Jugendlicher verfolgte er diesen Traum und spielte in einer Punk-Rock-Band, bis er den Laden übernehmen musste. Er ist sehr tapfer und steht für seine Freunde ein, auch wenn er sich teilweise schwer tut, sich an alles aus der Kindheit zu erinnern. Neben seinen Freunden ist ihm Kanna, die Tochter seiner Schwester, das Wichtigste! Ich finde ihn sowohl im Manga als auch im LAM super. Der Schauspieler im Film ist wirklich sehr gut getroffen, außer, dass er manchmal etwas „trotteliger“ herüberkommt, als im Manga, wo er meist etwas hitzköpfiger ist.

20th century boys naoki urasawa Otocho - 20th century boys naoki urasawa

Chōji Ochiai, meist Otocho genannt, lebte lange im Untergrund von Asien, um einen tragischen Schicksalsschlag zu verarbeiten. Er ist körperlich fit und kann gut einstecken und austeilen, wenn es um körperliche Auseinandersetzungen geht. Er ist Kenjis bester Freund aus der Kindheit und er war derjenige, der das Freundschaftszeichen entworfen hatte. Meiner Meinung nach eine der besten umgesetzten Charaktere im Film. Er gleicht ihm unheimlich in Aussehen, Benehmen, man hat sogar das Gefühl, sie würden sich gleich bewegen ^^

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Maruo war schon immer pummelig und gehörte auch schon immer zu Kenjis Truppe dazu. Er wuchs nicht nur mit diesem auf, sondern ist auch in der Stadt geblieben, wo er in der Nahe von Kenjis Laden einen Accessoires-Laden hat. Maruo ist ein äußerst sympathischer Typ, der ständig am futtern ist. Außerdem wirkt er oft etwas wehleidig und ängstlich, versucht aber stets sein bestes für seine Freunde zu geben. Er ist im Film wirklich sehr gut getroffen, sowohl vom Aussehen, als auch vom Benehmen.

Yoshitsune war früher eher ein typischer Streber. Klein, dürr, mit kleinen zusammengekniffenen Augen und Brille. Später ist er zu einen typischen Büroangestellten geworden und lebt noch immer in der selben Stadt wie Kenji. Er behauptet von sich selbst, kein guter Anführer zu sein, stattdessen folgt er Kenji als dessen Freund und Helfer. Dennoch ist er äußerst mutig und zielstrebig. Im Manga mochte ich ihn anfangs nicht sonderlich, im Film noch weniger, aber im Laufe der Geschichte wird er durchweg sympathischer. Auf jeden Fall ist er super getroffen.

Yukiji ist das einzige Mädchen in Kenjis Truppe. Früher wurde sie auch gerne mal als die „Wrestlerin“ bezeichnet, da sie aus einem Dojo kam und unheimlich stark war. Das war auch einer der Gründe, weshalb sie der Truppe beitrat, denn nicht nur einmal rettete sie die Jungen vor den Zwillingen Mabo und Yanbo, zwei Raufbolde, die Kenjis Freunde gerne schikanierten und verprügelten. Yukiji ist später Zollbeamtin und oft mit einem Rauschgifthund unterwegs, der eigentlich ziemlich schlecht in seinem Job ist : )

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Mon-chan, mit richtigem Namen Masaaki Shimon, ist ebenfalls einer von Kenjis Freunden aus der Kindheit. Er ist eher ruhig und behält immer den Überblick. Mon-chan ist beruflich viel unterwegs, besonders oft in Deutschland, deshalb kann er auch deutsch sprechen, was vor allem im Film sehr niedlich rüberkommt! Dort lässt er nämlich gerne mal ein „Guten Tag“, ein fröhliches „Prost“ oder ein entsetztes „Ach du meine Güte“ hören. Das macht ihn überaus sympathisch ^^“ Im Manga, den ich ja komplett auf deutsch gelesen habe, kam diese leider nicht so gut herüber, wie im Film. So wurde ich erst im Film richtig warm mit Mon-chan.

Fukube ging ebenfalls in die selbe Grundschule wie Kenji und trifft diesen auf einem Klassentreffen wieder. Dort erzählt er von seiner Frau, die ihn und die gemeinsamen Kinder verlassen hat, um sich völlig der Freundschaftssekte zu widmen. Er schließt sich Kenji also auch aus persönlichen Gründen an, als es daran geht, den Freund zu stellen. Als verlassender Ehemann tut mir Fukube doch sehr Leid. Seine Geschichte zeigt, wie die Sekte bereits zu Anfang großen Schaden anrichtet.

Keitaro Fukuda, meist Keroyon genannt ist der einzige von Kenjis Freunden, der sich ihm nicht anschließt. Er ist verheiratet, Besitzer eines Soba-Nudel-Ladens und möchte dies nicht aufgeben. Weil er das Gesicht eines Frosches hat, kam er auch zu seinem Spitznamen Keroyon, denn Kero bedeutet so viel wie „quak“ (Das Geräusch, das Frösche machen) und -yon ist ein Anhängsel, dass den Namen niedlicher klingen lässt. Ihm wurde nachgesagt, er würde ein Imperium der Frösche gründen. Seine Rolle ist eigentlich klein, deshalb will ich nun nicht so viel sagen. Auf jeden Fall war ich enttäuscht, dass er als einziger nicht mit zog, als Kenji um Hilfe rief.

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Eine sehr wichtige Rolle spielt auch Kanna, Kenjis Nichte. Er kümmerte sich um sie, als ihre Mutter sie zurück ließ, zog sie groß und brachte ihr vieles bei. Im späteren Storyverlauf (und ab dem zweiten Film) nimmt sie als Teenagerin eine wichtige Rolle in der Geschichte ein. Sie liebt die alte Rockmusik ihres Onkels und vertritt dessen Meinung und Interessen. Sie ist ein richtiger Wildfang, wird gerne mal laut, wenn ihr etwas nicht passt, ist aber ein liebenswertes und vor allem mutiges Mädchen, dass klare Prinzipien hat. Ihre Besetzung im Film finde ich grandios, auch wenn es etwas niedlicher wie im Manga wirkt, wo sie oft sehr burschikos erscheint.

Und nun noch zu einer wahren Schlüsselperson!

Der Freund! *_*

Ein überaus charismatischer Mann, der richtig viel Ahnung davon hat, wie man Menschen begeistert, mitreißt und so für seine eigenen Zwecke missbraucht. Er ist irgendwie schon ein typischer Sektenführer, allerdings mit sehr großen Ambitionen.

Er bedeckt sein Gesicht immer und hält so seine Identität im Geheimen. Das macht ihn natürlich nicht nur für seine Gegenspieler undurchschaubar, sondern macht ihn als Sektenführer noch mysteriöser. Als großer Unbekannter wirkt er auf seine Anhänger besonders und unerreichbar. So hat er für sie einen durchaus göttlichen Schein.
Zudem berichtet er seinen Anhängern von den Attentaten durch die Bakterien und Bomben, die Kenji im Buch der Prophezeiungen festhielt. Ein entscheidender Punkt hierbei ist jedoch, dass er Kenji als den Bösen hinstellen will. Das macht es ihm natürlich einfacher seinen Einfluss zu vergrößern, wenn er die Taten des bösen Kenji vorhersagt und die Ereignisse so dreht, dass er selbst als Held erscheint….

Es ist geradezu erschreckend, wie der Freund immer mehr an Macht und Einfluss gewinnt.
Des Öfteren dachte ich beim Lesen „Das kann doch nicht sein!“, aber wenn man sich die reale Vergangenheit und auch die Gegenwart betrachtet, ist das Geschehen im Manga gar nicht so abwegig. Schon oft hat es ein einzelner Mann geschafft, unzählige andere für seine Ideologien zu begeistern. Auch in der heutigen Zeit sieht man das noch oft genug bei Sekten und sonstigen Organisationen.

Lustigerweise ist nicht nur die Machtgewinnung des Freundes durchaus realistisch, sondern auch verschiedenen Ereignisse und Vorkommnisse in der Geschichte. So kommen neben den sehr detailgetreuen Schauplätzen auch verschiedenen geschichtliche Ereignisse, wie die Mondlandung, die Expo oder die Faszination für Übernatürliches durch Bekanntheiten wie Uri Geller als Thema im Manga vor.
So ist zb. Donkey als Junge sehr angetan von der Übertragung der Mondlandung und will fortan Astronaut werden. Die Truppe ist zudem ganz wild darauf die Weltausstellung 1970 in Osaka zu besuchen, die , bekannt als Expo, für Fortschritt und Zukunft stand. Und auch wenn Uri Geller meiner Meinung nach eine absolute Witzfigur ist, hat er, so wie vor einigen Jahren in Deutschland, in Japan einen wahren Boom des Übernatürlichen ausgelöst, der im Manga zur Sprache kommt

So, nun noch ein kleines Fazit meinerseits: Ich bin absolut begeistert! Nach Monster hatte ich eigentlich relativ hohe Ansprüche an die Serie, die sogar erfüllt wurden.

Die Geschichte ist etwas weniger realitätsnah und teilweise sogar apokalyptisch. Man könnte sie auch ein wenig als abgedreht beschreiben. Mit den Zeitsprüngen, den Rückblicken und den vielen (wirklich viiiielen) Charakteren wird es manchmal etwas verwirrend, vor allem, wenn man zwischen dem Lesen längere Pausen einlegt. So kann es doch das ein oder andere mal vorkommen, dass Charaktere von früher auftauchen, wo man denkt „Wer war das doch gleich?“. Im Normalfall wird dies jedoch nochmal angesprochen oder ausgeführt.

Die Charaktere sind ein wahrer Pluspunkt. Einen Großteil davon lernt man nämlich als Kinder kennen, sieht, wie sie sich als junge Erwachsene schlagen und so manche sieht man sogar noch als alte Männer und Frauen. Jeder hat seine eigene bewegende Geschichte, jeder scheint irgendwie etwas besonderes zu sein. Die Charaktere haben alle keine Superkräfte wie manch andere Mangahelden und meist nur eingeschränkte Mittel, sodass sie es im Kampf gegen den aufstrebenden Freund oft schwer haben. Das ist auch ein Punkt, den ich sehr positiv sehe: Meist klappen die Pläne um Kenjis Truppe nicht auf Anhieb, schlagen fehl oder der Freund kommt ihnen zuvor. So erleben sie derbe Rückschläge und verlieren sogar Freunde. Die Geschichte nimmt teilweise einen sehr düsteren Verlauf und steigert sich immer weiter ins Verderben.

Die Serie 20th Century Boys (und auch Monster) ist für mich ein wirklich gutes Vorzeige-Beispiel, dass es in der Welt der Anime und Manga nicht nur spaßig und bunt zugeht.
Eine wirklich empfehlenswerte Serie. Leider ist die Serie ja nicht so einfach zu beschaffen, aber da gibt es immer Mittel und Wege.
Für Fans des Manga und auch für Fans von LAM oder Asia-Movies ist die Verfilmung wirklich zu empfehlen.
Hier noch ein kurzer Trailer zum Filmreihe:

Ich habe hier auch ein wenig versucht, einen Vergleich zwischen dem LAM und dem Manga zu ziehen, um euch beides näher zu bringen.
Kennt ihr die Serie oder die Filme? Interessiert ihr euch überhaupt für ernstere Manga/Anime/Filme wie diesen?

Freue mich wie immer auf eure Kommentare :3

11 Kommentare

  1. avatar

    Hab ich noch nie von gehört. Mein interesse ist nach diesem sehr ausfürhlichen und tollen Bericht aber geweckt. Ernste Themen sind immer gut und auch wenns nur ein wenig aphokalyptsch ist…egal ich mag sowas. ;)

    Da du ja auch erwähnt hast, wie schwer man an den Manga kommt, bzw. wie viel man dafür teilweise bezahlen muss, werde ich wohl vorerst darauf verzichten und evtl. auf den Film zurückgreifen. :E

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  2. avatar

    Ich hab die Filme gesehen und fand sie auch sehr gut. Allerdings war die Auflösung, wer „Friend“ ist, dann irgendwie nicht so toll glaube ich. Kann mich aber kaum noch erinnern. Insgesamt weiß ich nur, ich fand die Trilogie richtig gut und spannend. Kann ich auch nur empfehlen.

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  3. avatar

    Wow, das nenne ich doch mal wieder einen sehr ausführlichen Blogeintrag. Respekt!

    20th Century Boys gehört sicherlich mit zu dem besten, was man sich als deutscher Manga-Leser ins Regal stellen kann. Wirklich schade, dass hierzulande solche Titel so gering geschätzt werden und man sich daher mit so wenigen zufrieden geben muss.

    In der Tat sind mir durch die Monster-Abstände der deutsche Bände bei den vielen Twists und Zeitsprüngen sicherlich einige Handlungsaspekte flöten gegangen. Zumindest empfand ich es manchmal so, dass auf einigen Punkten rumgeritten wurde, die dann plötzlich unter den Tisch fielen und irgendwann beiläufig geklärt wurden. Wie gesagt, kann aber auch durch meinen unregelmäßigen Leserhythmus bedingt gewesen sein. Insgesamt vollbringt Urusawa aber schon eine Glanzleistung, bei den ganzen Handlungsebenen und Charas, die ich hier auch besser integriert und relevanter fand als teilweise noch in Monster, am Ende ein halbwegs schlüssiges Ganzes zu produzieren. Wenn ich ehrlich bin, wirkte 21st Century Boys auf mich etwas bemüht und aufgesetzt, das Ende selbst recht anticlimactic. Aber der Weg dorthin war ungemein spannend und aufregend, weswegen ich das gut verschmerzen kann.

    Den Live-Action-Movie habe ich mir bislang noch nicht gegeben. Liegt zu meinen sicherlich daran, dass die Trilogie nur unvollständig in Deutschland vorliegt, zum anderen kann ich mich, wie gut auch immer es gemacht sein mag, nur schwer mit dem Transfer von 2D nach 3D anfreunden. Bei einem Anime à la Monster wäre ich dagegen sofort dabei.

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    Hey :)
    Danke für den wirklich ausführlichen Bericht.

    Habe die Filme gleich mal auf meine Wishlist gesetzt ^,^

    Wobei beim durchlesen ist mir ständig in den Sinn gekommen so eine ähnliche Story schon einmal in einem Buch gelesen zu haben. Das war aber nicht aus Japan sondern ich glaube von einem amerikanischen Autor.

    Ich werd das Gefühl nicht los das ich die Story schon irgendwie kenne nur komm ich nicht drauf woher.

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  5. avatar

    Das nenne ich mal einen langen Artikle über einen Manga O_O.

    Ich hatte den ersten Film mal auf einer AnimagiC vor vielen Jahren gesehen und war sehr begeistert, aber die schlechte Verfügbarkeit des Manga verhinderte bislang den Kauf der Vorlage. Ich denke, ich werde mal bei der US-Version irgendwann zugreifen, die scheint man etwas besser kriegen zu können.

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  6. avatar

    @fr0schi: Ist auch nicht verwunderlich. Obwohl der Manga zu den besten gehört, wurde er hier nicht sonderlich erfolgreich. Lag aber wohl auch an der schlechten Vermarktung. Der Film allein wird hoffentlich nicht zu verwirrend und langatmig sein. Weil ich den Manga bereits kenne, freute ich mich über jede Szene, die gut umgesetzt wurde, obwohl sicher nicht alle für die pure Story nötig gewesen wären.

    @DaRuX: Die Sache mit dem „Freund“ wird wirklich sehr verwirrend und schlägt gegen Schluss nochmal richtig viele Fragen auf. Wenn man den Manga jedoch aufmerksam ließt, findet man wirklich viele Hinweise und kann es sich vielleicht sogar zusammenreimen.

    @Kur0gane: Ja, war eigentlich nicht so lange geplant ^^“ aber irgendwie wurde es dann doch so viel…
    Dass eine Geschichte wie 20th CB (oder auch Monster) nach dem sehr spannenden Weg am Ziel etwas anticlimatic wirkt, finde ich verständlich, aber nicht schlimm. Ich denke, man kann eine solche Geschichte nicht so einfach in einem rießigen Knall enden lassen, dass wäre zu theatralisch oder kitschig. Stattdessen hat man eher einen etwas depressiven Nachgeschmack, finde ich eigentlich klasse.
    Das es die Trilogie hier nicht komplett gibt, finde ich auch äußerst schade. Hab den ersten Film auf DVD, die restlichen beiden… naja… ^^“
    Bin nun am überlegen mir die UK-Trilogie zu holen. Neidisch bin ich ja auf die Franzosen, die eine unglaublich schicke Special Edition in einer Metallbox haben ;___;

    @stary: Kein Problem : D
    Geschichten mit einem ähnlichen Prinzip gibt es eigentlich einige. Ein paar Erwachsene, die als Kinder befreundet sind, vereinen sich wieder, um die Welt zu retten. Als Beispiel fällt spontan „Es“ von Stephen King ein oder auch „Dreamcatcher“ vom selben Autor. Letztendlich dreht es sich in den Geschichten jedoch um andere Dinge.

    @TMSIDR: Joa, zu dem Manga gibt es ja auch viel zusagen : D
    Und dabei hab ich versucht nur den Anfang zu behandeln, um nichts zu verraten ^^
    Bin ja kein großer Fan von englischen Manga, wenn es die auch in deutsch gibt. Da der Manga jedoch echt gut ist, würde ich ihn jedem empfehlen. Zur Not eben als US-Version oder Scan ^^ Planet Manga sollte sich schämen >_>

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  7. avatar

    Ich mag den Manga auch. Einfach nur klasse und irre spannend bis zum Schluss. :)
    Und die Filme (1. und 2. Teil) habe ich hier auch auf DVD, finde ich mehr als gelungen!

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  8. avatar

    Schöner Bericht ^^

    Urasawa ist einer von zwei Mangakas für mich (der andere ist Minetaro Mochizuki, der Mangaka von „Dragon Head“) der es schafft „GRUSEL“ in einen Manga zu bringen. Nicht plumpen horror, seine Zeichnungen und Geschichten schaffen es einfach das man sich unwohl in seiner Haut fühlt. Ich kenne „Monster“ und hätte nie gedacht das man ganz ohne Übernatürliche Wesen, Schreckgestalten und Splatter echten Grusle erzeugen kann, doch das schafft Urasawa.

    Er weiß vielleicht mehr als andere wie man eine Geschichte erzählt, denn er gönnt auch Nebenfiguren, Nebenhandlungen und Nebensträngen Raum und Zeit, bei ihm gibt es selten Statisten, und vielen Figuren lässt er auch eine Vergangenhheit haben die der Lser mitbekommt. Und, da ich auch Pluto lese kann ich denke ich sagen das der Mangaka auch Schurken stark darstellen kann. Keine überzogenen Gestalten, ganz selten z.B. taucht der Antagonist in Monster auf, was ihn aber sofort bedrohlicher wirken lässt. Auch in Pluto wird der „Mastermind“ nur mit einem Teddybär dargestellt, was einen schon verstört.

    Ich hoffe das solche Mangas und Mangakas bald populärer werden! Toller bericht allemal, tolle Fotos auch!

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    @Hotaru: Super! : )
    Da sind wir uns ja einig :3

    @Kame: Ich denke Grusel ist eigentlich noch nicht stark genug von der Bedeutung. Aber deine Beschreibung, dass man sich irgendwie unwohl fühlt und das ohne typische Horrorgestalten, da kann ich dir nur beipflichten!
    Bei Urasawa hat man irgendwie das Gefühl, dass es keine „Neben“charaktere gibt. Denn diese sind meist tiefer und haben eine besser durchdachte Story also so manche Hauptfigur in anderen Manga. Irgendwie ist wirklich jeder unabdingbar und besonders : )
    Vielen Dank!

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    Alleine schon durch die Vielzahl an Charakteren sehr vielschichtig und komplex, definitiv einer der anspruchsvolleren Manga. Der Film ist eine erstaunlich gute Umsetzung des Stoffs, auch wenn man natürlich nicht den Manga 1:1 übernehmen kann. Was mich daran erinnert, endlich auch mal den zweiten und dritten Film zu schauen. Könnte mir eigentlich auch gleich wieder den Manga vornehmen… *seufz*

    Otcho a.k.a. „Shogun“ ist irgendwie einer meiner Lieblingscharaktere, neben Kenji und seinem Song „Bob Lennon“ und Kanna alias „Ice Queen“ natürlich :D

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    @Paladin Fenris: Die Charaktere sind wirklich zaaahlreich : D
    Aber irgendwie kommt niemand dabei zu kurz, das find ich bei Urasawa toll!
    Sicher ein Werk, dass ich irgendwann wieder lesen werde : )

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